performativ | diskursiv | zündend

 


CEMS: WRECKIPEDIA (Modellfoto)<br>© CEMS, GPL space IV, Wien, 2015
CEMS: WRECKIPEDIA (Modellfoto)
© CEMS

FUNKENFLUG 8

Geschichtskonstruktion(en)

Künstlerhaus 1050, Stolberggasse 26, 1050 Wien
21. September 2017

Performance
WRECKED IN SALVATION

CEMS (Michael Endlicher & Cynthia Schwertsik)

Lesung
Das Floß der Medusa

Franzobel, Schriftsteller

Gespräch
Günther Oberhollenzer, Kurator „Andere Geschichte(n) “
Franzobel, Schriftsteller

Moderation
Maria Christine Holter, Kuratorin FUNKENFLUG

facebook_20x20px_rounded_new



FF08_Performance_CEMS_02_TWK_WEB_250px_Playbutton
Performance "WRECKED IN SALVATION",
CEMS
Performance "WRECKED IN SALVATION",
CEMS
Performance "WRECKED IN SALVATION",
CEMS

CEMS
WRECKED IN SALVATION

Unter und mit ihrer Installation "Wreckipedia", Teil der Ausstellung "Andere Geschichte(n)", entwickeln die beiden CEMS-ProtagonistInnen die Performance WRECKED IN SALVATION. Hier wie dort stehen PET-Flaschen als mehrdeutige Symbolträger im Zentrum der Aktion: Flaschenpost, Schlauchbootkammer, Müllbotschafter, Figurendummy.

Die schwebende Floßinstallation zielt auf das übergreifende Zusammendenken der 150-jährigen Entwicklung einer "externen" Zivilisation im Sinne westlicher (Export)Vorgaben und einer "internen" mitteleuropäischen Zivilisation im Auf und Ab am Beispiel der kulturpolitischen Institution Künstlerhaus. Sie beschwört letztlich optimistische Vorzeichen: Lebensgeschichten mit persönlichen Schiff- und (in weiterer Folge) individuellen Aufbrüchen treffen auf historisch dokumentierte Schiffskatastrophen bei der Besiedlung einer anderen Seite der Welt. Durch die Verknüpfung öffnet sich ein der Anonymität entrissenes Fenster in eine im besseren Sinne parallele Geschichte.

WRECKED IN SALVATION bindet das zentrale Bild des Floßes und der Flaschen nun an einen einzigen berüchtigten Anlassfall, den Schiffbruch der Fregatte "Méduse" 1816 und der daraus resultierenden ikonischen Schreckensgeschichte der Menschen auf dem gleichnamigen Floß. Mit einfachen Mitteln und reduzierten Gesten entwickeln CEMS im Schatten ihres Floßes, der "Wreckipedia", ein abstraktes Kammerspiel um individuelles und kollektives Scheitern. Die zufälligen und doch konzeptuell gesetzten Spuren der Performance verbleiben – als Menetekel – in der Ausstellung.

In seinen Aktionen dekonstruiert das Künstlerduo CEMS (Michael Endlicher & Cynthia Schwertsik) das System Kunsttheorie mithilfe eines Kanons fiktiver Kunstrichtungen, dessen zugrunde liegendes Glossar "Definitiv: Kunst! Von Arcadientia bis Zöllitrophismus" laufend erweitert wird. Ergebnis: eine Verortung des Kunstbegriffs in der Zeit (der Aktion). Projekte (Auswahl): "Definitiv: Kunst!", Museum der unerhörten Dinge, Berlin, 2011; "Wir zertifizieren Ihre Kunst!", METAmART/Die Marktmodelle, Künstlerhaus Wien, 2011; "Referentieller Querverweis: Ich brauch Tapetenwechsel!", MUSA Wien, 2013; "Running Theory Generation", GPL space IV, Wien, 2015; "Wider das Zuckerbergmonopol", Werkstadt Graz, 2015.
endlicher.at/cems.html
salon-beautyfree.klingt.org


FF08_Lesung_Franzobel_01_TWK_WEB_250px_Playbutton
Lesung "Das Floß der Medusa",
Franzobel
Lesung "Das Floß der Medusa",
Franzobel
FF08_Gespraech_Oberhollenzer_Franzobel_02_TWK_WEB_250px_Playbutton
Mag.M.A. Günther Oberhollenzer
spricht mit Franzobel über
"Das Floß der Medusa"
Mag.M.A. Günther Oberhollenzer
spricht mit Franzobel über
"Das Floß der Medusa"
Lesung & Gespräch
"Das Floß der Medusa",
Franzobel, Günther Oberhollenzer

LESUNG und GESPRÄCH
Das Floß der Medusa

Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben? Ein epochaler Roman von Franzobel. 18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens? (Text: Paul Zsolnay Verlag, Wien)

Franzobel, 1967 geboren in Vöcklabruck, ist einer der populärsten und polarisierendsten österreichischen Schriftsteller. Von 1986 bis 1994 studierte er in Wien Germanistik und Geschichte. Während seines Studiums arbeitete er immer wieder als Komparse am Wiener Burgtheater und setzte sich auch intensiv mit Malerei und Concept Art auseinander. Sein Studium beendete er 1994 mit einer Diplomarbeit zur visuellen Poesie mit Schwerpunkt Österreich. Seit 1989 ist er als freier Schriftsteller tätig. Franzobel erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2002 den Arthur-Schnitzler-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Krimis "Wiener Wunder" (2014) und "Groschens Grab" (2015) sowie 2017 sein Roman "Das Floß der Medusa".

Günther Oberhollenzer, Mag.,M.A., geboren 1976 in Brixen (Südtirol / Italien) studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Innsbruck und Venedig sowie Kulturmanagement in Wien. Oberhollenzer ist Kunsthistoriker, Kurator und Autor, er arbeitet in Wien und Krems. Von 2003 bis 2005 arbeitete er im Referat für bildende Kunst in der Kulturabteilung der Stadt Wien, von 2006 bis 2015 war er Kurator am Essl Museum in Klosterneuburg bei Wien. Seit 2016 ist er Kurator für das neu entstehende Kunstmuseum in Krems, die Landesgalerie Niederösterreich (Eröffnung im Sommer 2018). Oberhollenzer ist Mitglied des Südtiroler Kulturbeirats und Lehrbeauftragter am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. 2014 ist sein Buch "Von der Liebe zur Kunst" im Limbus Verlag Innsbruck erschienen. www.liebezurkunst.com

Maria Christine Holter, Mag.a, ist Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien. Kunstgeschichtestudien an den Universitäten Wien und Berkeley, USA (Fulbright Stipendium), Praktikum am Museum of Modern Art, New York. Ausstellungs- und Veranstaltungsreihen wie z.B. FUNKENFLUG, in situ / follow up. Gastkuratorin in diversen Kunstinstitutionen, zuletzt im Wiener Künstlerhaus: 2012/13 "Zeit(lose) Zeichen. Gegenwartskunst in Referenz zu Otto Neurath" (mit Symposion A Tribute to Otto Neurath), 2014 "Experiment Analog. Fotografische Handschriften im Zeitalter des Digitalen" sowie "Time(less) Signs" als Kooperation im Austrian Cultural Forum London, 2015 Programmverantwortliche der "Brennenden Fragen", 2017 "Das bessere Leben" im Künstlerhaus 1050. Unternehmensberatung im Bereich Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit, zahlreiche Publikationen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhundert.
www.mariaholter.at



IMPRESSUM
© Künstlerhaus 2017